Warum ich kein Blogger bin

Es gab Zeiten, da fühlte Mann sich als richtiger Mann, wenn er der beste Autofahrer, der beste Liebhaber und der beste Fotograf war. Die Zeiten haben sich geändert. Inzwischen fahren auch einige Frauen dank diverser Assistenzsysteme ganz passabel, die Fotoapparate werden immer kleiner und die Volkslibido auch. Also müssen wir uns andere Spielwiesen suchen, um unser Ego auszuleben. Die eine Möglichkeit wäre, den Teil eines osteuropäischen Landes zu annektieren. Das ist aber leider ausschließlich russischen Despoten vorbehalten. Was bleibt ist also auf Sterneniveau zu kochen, sich bestens mit Weinen auszukennen, alles über Politik und die Gesellschaft als solche zu wissen, doch noch ein bisschen fotografieren zu können und über all dies zu berichten. Für alle, die sich selber gerne reden hören ist daher so ein Blog eine super Sache: Man kann über alles, was einem in den Kopf kommt, hervorragend daher faseln und legt dabei noch ein Mindestmaß an Eloquenz an den Tag, da man ja niemanden dazu zwingt, zuzuhören. Und die Selbstbestätigung bekommen wir dann nicht bei Lob und Zustimmung über das Gesagte/ Geschriebene, sondern ganz unauffällig beim Lesen der Statistiken. Wenn dann noch die schöne Landkarte in den Statistiken von WordPress in allen Herren Ländern eingefärbt ist, ist das dann doch ein Stück weit die persönliche Krim für jeden verkannten Schreiberling unter uns.

Was ich nur völlig verkannt habe, ist das Thema Zeit. Zeit und Arbeit. Es liegt immer noch ein halbfertiger Artikel mit einem Test über die Sony Alpha 7 auf meinem Rechner, mir fehlen seit vier Wochen noch die entscheidenden drei letzten Sätze. Und hier liegt auch immer noch der angebrochene zweite Teil des Reiseberichtes aus Teneriffa, ich habe es einfach nicht rechtzeitig geschafft und zwei Monate später brauche ich das Ding nicht mehr ins Netz hauen. Warum? Weil mir eine Sache noch wichtiger ist, als mich faseln (respektive schreiben) zu hören: Müßiggang. Ich sitze am Ende eines Urlaubstages mit Frau und Kindern lieber mit einem Bier bewaffnet auf der Terrasse und schaue Löcher in die Luft und denke an gar nichts, als das Notebook aufzuklappen, Bilder zu bearbeiten und mir Texte aus dem Kreuz zu leiern. Ich sitze nach einem Arbeitstag auch lieber vorm Fernseher und lasse mich berieseln oder starre mit leerem Schädel an die Decke, als den Anspruch zu haben, andere zu berieseln. Kurz: Ich bin zu faul um Euch an meinen Gedanken teilhaben zu lassen. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto besser finde ich das für beide Seiten.

Vielleicht finde ich ja eine andere schöne Alternative, die nicht ganz so arbeitsintensiv ist. Ich könnte Katzenbilder posten, wieder mehr Autofahren, fotografieren und naja, Ihr wisst schon. Oder warten, bis ich genug Freunde beisammen habe um dann Österreich zu annektieren.

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