Elternzeit auf Teneriffa – Teil 1: Der Norden

Es ist Halbzeit unserer gemeinsamen Elternzeit auf Teneriffa. Die insgesamt vier Wochen Aufenthalt auf der Insel empfanden wir schon als absoluten Luxus, waren wir doch sonst Urlaube von maximal 10 Tagen gewohnt. Nach zwei Wochen hier wird klar, wie wenig eine vierwöchige Reise sein kann: Irgendwie zu viel für einen normalen Urlaub, aber zu wenig für eine ernst zu nehmende Auszeit. Bei der Menge an jungen Eltern, mit denen wir hier oder auch bereits schon auf dem Hinflug ins Gespräch kamen, gewinnt man schnell den Eindruck, das Bundesfamilienministerium hat mit der Einführung des Elterngeldes mehr für die Hotellerie getan, als die FDP mit der Mövenpicksteuer jemals erreichen würde. Das ganze scheint eher eine verdeckte Hilfszahlung für Spanien, Thailand oder Nordafrika zu sein.

Playa de las Teresitas in San Andrés

Playa de las Teresitas in San Andrés

Aber von Anfang an: Unsere Reise planten wir recht früh, bereits im September waren alle Buchungen klar. Flug mit Norwegian Air, Finca über Interhome und Mietwagen über S.P. Autoreisen. Interhome stellte sich dann als absolute Vollkatastrophe heraus: Erste Buchung überbucht (hat Interhome nach drei Wochen gemerkt), Alternative mehr als 1.000 Euro teurer als bei Mitbewerbern und nicht familientauglich; letzte Alternative: Ein-Zimmer-Appartement in Los Christianos. Zumindest die Servicemitarbeiter der Telefonhotline waren immer nett und bemüht und die Rücküberweisung der (bereits voll bezahlten) Rechnung dauerte keine drei Tage. Nachdem wir dann doch noch bei www.lascasascanarias.com fündig geworden sind, haben wir es mit www.airbnb.de probiert (mit Abstand die besten Häuser, allerdings hat sich von sechs angeschriebenen Vermietern nur einer zurück gemeldet) und hätten fast über www.ferienhaus-canarias.net gebucht. Die waren immerhin so nett und kompetent, dass sie uns als völlig unerfahrenen Teneriffa-Urlaubern mit Kindern (ein vierjähriges Mädchen und ein Säugling) von einer Finca im Winter abgeraten und uns zu einer Appartement-Anlage geraten haben. Leider hatten sie nichts mehr im Angebot, was uns gefallen hat, was den Service angeht, ist dieser Anbieter aber definitiv weiter zu empfehlen.

Dennoch war das alles unser Glück, denn so mussten wir noch einmal komplett neu suchen. Obwohl uns im Winter alle vom Norden der Insel abgeraten haben wollten wir uns doch eh einige Sachen hier anschauen. Dass das Wetter hier also etwas schlechter als im Süden sein sollte, hat uns nicht davor abgeschreckt, auch hier nach einem Haus zu suchen und einmal in den vier Wochen umzuziehen. Das Ergebnis war dann eine Woche Aufenthalt mitten im Weinanbaugebiet in der Nähe von Tocaronte und drei Wochen in einer klassischen Ferienhaussiedlung im Süden in der Nähe von Adeje.

Vor zwei Wochen ging es dann also los. Der Flug mit Norwegian war top. Die brandneue Maschine relativ leer, humane Flugzeiten, kulant mit dem Übergepäck, pünktlich und kostenloses WLAN an Board. Nicht unwichtig ist, dass sowohl Maxicosi als auch Kinderwagen den Flug gut überstanden haben. Der bei S.P. Autoreisen bestellte Opel Safira war auch ein solcher, was wegen des Marschgepäcks, das wir für einen Monat mit zwei Kindern dabei hatten, schon wichtig war. Der Wagen hatte diverse Beulen, was aber keinen wirklich interessierte. Die Vollkasko war ohne Selbstbeteiligung und es fährt sich eh einfacher in einem Auto, bei dem es egal ist, ob noch eine Schramme mehr hinzu kommt.

Die Fahrt vom Flughafen im Süden in unser erstes Haus im Norden dauerte gut 45 Minuten. Der Eigentümer, Niko, erwartete uns schon. Das Haus war der Hammer und sehr viel besser, als auf der Webseite von Casas Canarias beschrieben. Es lag in einer terrassenförmig angelegten Urbanisation in zweiter Reihe auf einer Klippe und wir sahen nur noch ein paar Dächer und dahinter direkt die Brandung. Eine weitere Überraschung war, dass zu der Urbanisation ein Sportclub gehörte, in dem Niko Mitglied war. Zu diesem Sportklub gehörte ein traumhaft angelegter Pool mit Blick auf den Teide und die komplette Nordküste. Niko bot uns an, für 10 Euro am Tag die Anlage mitnutzen zu dürfen. Bis hierhin war also schon mal alles perfekt und wir freuten uns auf unsere erste Woche im Norden der Insel.

Nun gibt es genug Reiseführer über Teneriffa, in Foren findet man alle Informationen, die man sucht und Geheimtipps dürften auch schon alle verraten sein. Dennoch haben wir uns im Vorfeld kein echtes Bild von der Insel machen können. Daher möchte ich hier einige Dinge erwähnen, die wir als Familie besonders schön fanden oder die wir so nicht mehr machen würden. Von den Dingen, die wir nicht mehr machen würden, gab es in der ersten Woche wenige bis keine. Gut ist, dass alles recht kompakt beieinander liegt und Fahrtzeiten von mehr als zwei Stunden am Tag nicht nötig sind. Das ist vor allem vor dem Hintergrund nicht unwesentlich, dass man hier ordentlich Höhenmeter reißt, was für die Kurzen ja nicht immer so toll ist

Von den schönen Dingen gab es im Norden dafür eine ganze Menge. Hier unsere Highlights:

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Anagagebirge:
Direkt an unserem ersten Tag sind wir vom Playa de las Teresitas in San Andrés (siehe unten) am Nachmittag nicht durch Santa Cruz zurück gefahren, sondern haben den direkten Weg durch das Anagagebirge gewählt. Die atemberaubenden Ausblicke auf Nord- und Südküste sowie den Teide haben uns so gefesselt, dass es uns insgesamt drei mal ins Anagagebirge verschlagen hat. Und dabei haben wir längst noch nicht alles gesehen. Die kleinen Buchten im Norden des Gebirges mit ihren angeblich super Fischrestaurants müssen wir leider ebenso auf nächstes Mal verschieben wie eine der vielen möglichen Wanderungen, die mit einer Vierjährigen und einem Säugling wohl nur was für hartgesottene Wanderer gewesen wären. Kleinere Spaziergänge sind aber dennoch an den verschiedenen Aussichts- und Informationsstationen möglich.

Playa de las Teresitas in San Andrés:
Wir wollten am ersten Tag unseres Urlaubs nur so schnell wie möglich an den Strand. Die Strände und Meeresschwimmbäder an der Nordküste waren wegen enormer Brandung und gefährlichen Unterströmungen alle geschlossen. Das kommt im Winter nicht selten vor und sollte man auf dem Schirm haben. Außerdem wäre es mit um die 18 Grad Lufttemperatur eh etwas zu kühl zum Schwimmen gewesen. Über die Autobahn mit einem kleinen Abstecher durch die Inselhauptstadt Santa Cruz war jedoch der aus allen Reiseführern bestens bekannte Playa de las Teresitas in San Andrés in einer guten halben Stunde zu erreichen. Oder man nimmt die wunderschöne Route durchs Gebirge und braucht eine halbe Stunde länger. Belohnt wurden wir mit einem perfekten Familienstrand mit Südsee-Flair, 20 Grad warmen Wasser und viel Sonne um die 23 Grad. Auf einige Nörgler im Netz, die sich beschweren, der Strand wäre ja nur künstlich angelegt und die Schiffe würden auf dem Weg nach Santa Cruz zu nah am Strand lang fahren sollte man nicht hören. Wer selber hin fährt wird sicher nicht enttäuscht.

Santa Cruz:
Eine typische südliche Hafenstadt. Man muss schon recht genau hinschauen, um schöne Ecken auszumachen. Die gibt es zweifelsohne, die Fußgängerzone gehört aber nicht dazu. Wenn es denn mal regnet, kann man einen Teil seiner Zeit im Corte des Inglese totschlagen.

La Laguna:
Sehr viel netter hingegen ist die ehemalige Inselhauptstadt La Laguna. Nur fünf Kilometer oberhalb von Santa Cruz gelegen hat man den kleinen historischen Stadtkern schnell erkundet. Hier gibt es einige nette Geschäfte, deren heterogene Mischung aus teuren und günstigen Modeketten, Haushaltswaren, Feinkost und Touristenkitsch beweist, dass in der Stadt auch wirklich gelebt wird. Zum Abschluss kann man in einer der vielen Tapasbars ganz gut essen.

Punta del Hidalgo:
Eigentlich waren wir nur in Punta del Hidalgo, weil meine bessere Hälfte im SPA des Hotels Oceano einen Wellnessgutschein einlösen wollte. SPA, Hotel und Massage waren gut und im Gegensatz zu den Wellnesspaketen im Süden bezahlbar. Dadurch kamen wir in den Genuss, eine wahnsinnige Brandung anzuschauen, zu sehen, wie das Anagagebirge spektakulär in die stürmischen Fluten des Atlantik herabfällt und auf einer Strandpromenade, die direkt den 70er Jahren entsprungen scheint einen unglaublichen guten Pulpo zu essen. Das Wahrzeichen der kleinen Stadt, den futuristischen Leuchtturm, haben wir dabei nur am Rande mit bekommen.

El Pris:
Die wenigsten Teneriffa-Urlauber werden je von El Pris gehört haben, geschweige denn, da gekommen zu sein. Der kleine Fischerort liegt in einer Sackgasse am Meer, circa 5 Kilometer unterhalb von Tocaronte, das immerhin für seinen Wein bekannt ist. Zu El Pris gehört ein Meereschwimmbecken, eine Bar und kleines Fischrestaurant, in dem sich perfekt bei Bier, Papierservietten und leckerem Fisch der Sonnenuntergang genießen lässt. Wir hatten das Glück, dass wir keine fünf Minuten von diesem netten kleinen Ort gewohnt haben.

Da es im Norden noch einiges mehr zu sehen gibt, aber eine Woche nur sieben Tage hat, waren wir auch in den kommenden Wochen noch einige Male hier. Davon mehr in den kommenden Teilen.